DRAMA: USA, 2026
Regie: Aaron Sorkin
Darsteller: Mikey Madison, Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Wunmi Mosaku
Die junge Daten-Analystin Frances Haugen (Mikey Madison) arbeitet im Civic Integrity Team von Facebook, einer Abteilung, die gegen Hasspostings, Fake-News und Gewaltaufrufe auf der Plattform vorgeht. Als sie merkt, dass ihre Arbeit sabotiert wird und sich Hinweise verdichten, dass Zuckerberg die Abteilung schließen will, trifft sie sich mit dem Investigativjournalisten Jeff Horwitz (Jeremy Allen White). Sie hat ihm einiges zu erzählen.
Nach 16 Jahren ein Quasi-Sequel zu THE SOCIAL NETWORK, leider ohne David Finchers virtuose Regie und Trent Reznors treibenden Score. Der Film von Aaron Sorkins, der für THE SOCIAL NETWORK damals das Drehbuch geschrieben hat, schildert die Ereignisse vor der Veröffentlichung der "Facebook Files" im Wall Street Journal 2021.
Im Mittelpunkt steht die junge Informatikerin/Whistleblowerin Frances Haugen, gespielt von Mikey Madison. Frances glaubt an das Gute in Facebook, an das grundsätzliche Potential von Sozialen Medien, Menschen zusammenzubringen, Kommunikation und konstruktiven Austausch zu ermöglichen.
Die Realität sieht freilich anders aus.
Dass die asozialen Medien Hass, Schwurblertum, blanke Idiotie und Radikalisierung fördern und die Demokratie sturmreif hetzen, wissen wir heute alle (und ja, mir ist die Ironie, darüber auch auf Facebook zu schreiben, durchaus bewusst). Es war Zuckerbergs persönliche Entscheidung, unter dem zynischen Schlagwort Meaningful Social Interactions den Algorithmus bewusst auf Polarisierung, Echokammer-Bildung und Fake-News-Schleuderei umzustellen.
Frances Haugen geht mit diesbezüglichen internen Dokumenten an die Öffentlichkeit und wird als Whistleblowerin vor dem Kongress aussagen.
Der Film ist nicht uninteressant und auch nicht unspannend. Er hat aber ein, zwei Probleme. Er setzt ein Publikum voraus, das von potentiell trockenen Begriffen wie Investigativjournalismus zumindest nicht abgeschreckt wird, das vielleicht noch klassische Zeitungen liest und sich Gedanken macht über den Zustand von Staat, Gesellschaft und Demokratie. Damit betreibt der Film aber notgedrungen "preaching to the converted" und hat - das ist vielleicht noch das größere Problem - eigentlich recht wenig zu erzählen, was man nicht eh schon wüsste. Tatsächlich ist die viel plakativere Netflix-Doku THE SOCIAL DILEMMA der informativere und wohl auch der Augen öffnendere Film.
Ich muss auch zugeben, dass ich mir mit den Figuren ein bisschen schwer getan habe. Es ist ja schön und begrüßenswert, klassischen Journalismus im Film zu feiern. Trotzdem fand ich die Figur des Old-School-Polit-Journalisten, der keine Ahnung von Technik hat und in einer popkulturellen Vergangenheit von Frank-Capra-Filmen lebt, nur mäßig interessant. Nämliches gilt für die Figur der Informatikerin Frances Haugen, gespielt von Mikey Madison, die ich in ANORA extrem großartig fand. Hier wurde sie als tendenziell asexuelle, socially awkward Nerd-Chick-Klischeefigur angelegt, die noch dazu (absichtlich?) wenig sympathisch rüberkommt. Das Gegenteil ihrer Rolle in ANORA. Schwierig, sehr schwierig.
Zuckerberg selbst ist hier nur eine Randfigur und wird nicht mehr von Jesse Eisenberg dargestellt, sondern - ziemlich treffend - von Jeremy Strong, der in der Trump-Biographie "The Apprentice" (2024) als diabolischer Anwalt und Trump-Berater Roy Cohn bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Das Sequel von THE SOCIAL NETWORK schildert die Ereignisse vor der Veröffentlichung der "Facebook Files" im Wall Street Journal 2021 als klassischen Verschwörungsthriller. Nicht uninteressant, nicht unspannend, wenn man sich für die Materie interessiert. Aber David Finchers THE SOCIAL NETWORK war filmisch wesentlich avancierter. Schade.