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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
The Northman

The Northman

RACHEDRAMA: USA, 2022
Regie: Robert Eggers
Darsteller: Nicole Kidman, Willem Dafoe, Ethan Hawke, Anya Taylor-Joy, Björk, Alexander Skarsgård

STORY:

Der junge Wikingerprinz muss mitansehen, wie sein Vater von seinem intriganten Onkel ermordet wird. Der Junge flüchtet übers Meer und wächst in der Ferne zu einem Bild von einem Mann (und Massenmörder) heran, den nur noch eines antreibt: R-A-C-H-E.

KRITIK:

Willkommen bei den Wikingern: Wo ein Mann noch ein Mann war, ein Schwert noch ein Schwert, und wo unsere Ehre noch Treue hieß. Sorry, deplatzierter Scherz beiseite. Die Vereinnahmung der Wikinger-Kultur durch Rechtsaußen ist Regisseur Robert Eggers naturgemäß extrem zuwider, wie er in Interviews betont.

Seit geraumer Zeit fallen die Wikinger über die Popkultur her und metzeln sich durch mittelprächtige Netflix-Serien und Computer-Games. Vikings sell, und so schaffte es ein Indie-Regisseur, der sich mit THE VVITCH und THE LIGHTHOUSE einen Namen als Schöpfer beklemmender historischer Horror-Dramen machte, in Hollywood 90 Millionen für einen Wikinger-Blockbuster aufzustellen.

Das Ergebnis ist genau so, wie man sich einen Robert-Eggers-Film um 90 Millionen vorstellt: Perfekt ausgestattet, von einem genialen Cast (Nicole Kidman! Willem Dafoe! Ethan Hawke! Anya Taylor-Joy! Björk! Alexander Skarsgård!) getragen, vor überwältigenden Landschaftskulissen in Szene gesetzt. Brachial, brutal, blutgetränkt, vielleicht sogar neue Maßstäbe in Sachen Härtegrad in einem Mainstream-Film setzend. Einerseits fast schon streberhaft um historische Akkuratesse bemüht, aber auch die künstlerische Narrenfreiheit in vollen Zügen genießend. Epische Schlachtengemälde wechseln sich ab mit intimen, kammerspielartigen Dialogsequenzen. Die Ästhetik pendelt zwischen blutverschmiertem Hyper-Realismus und surrealem Fiebertraum, hart an der Grenze zur Reizüberflutung.

Dass ein Teil der Geschichte in der Kiewer Rus spielt, jenem Reich, das der Hobby-Historiker und Massenmörder Putin in seiner Kriegserklärung an die Ukraine mehrmals erwähnt hat, muss ein Zufall sein (die Dreharbeiten begannen 2019). Dennoch ist man versucht, den Film auf Referenzen auf unsere wahnwitzige Gegenwart abzuklopfen.

Liefert er Antworten auf Fragen, die sich dieser Tage wohl viele Menschen stellen: Wie entstehen Kriegsverbrechen? Was bringt Menschen dazu, andere zu quälen und zu töten? Wie entsteht das, was Psychologen "Combat High" nennen: Ein Rauschzustand, in den sich Soldaten hineinsteigern, der Angst und Schmerzempfinden verschwinden lässt, wo die zivilisatorischen Hemmungen fallen und der Blutrausch einsetzt? Siehe Babyn Jar oder My Lai, Srebrenica oder zuletzt in Butscha.

Nein, neue Antworten erhält man keine. Die transgressive Filmkunst ist aber reich an Beispielen, wie dünn das zivilisatorische Eis ist, wie schnell die latente Bestialität aus dem Menschen hervorbricht. Hier durchaus im Wortsinne: Die Szenen, in denen sich die Krieger buchstäblich in wilde Tiere verwandeln und ihren Opfern die Kehlen durchbeißen, dürften sich nachhaltig in die Netzhaut einbrennen.

The Northman Bild 1
The Northman Bild 2
The Northman Bild 3
The Northman Bild 4
The Northman Bild 5
FAZIT:

In seiner ersten Hollywood-Großproduktion schickt THE VVITCH-Regisseur Robert Eggers den schwedischen Schönling Alexander Skarsgård als gefallenen Wikingerprinz auf Rache-Trip und lässt nackte Muskelmänner vor isländischer Naturkulisse die Schwerter kreuzen. VALHALLA RISING meets CONAN in einem (Anti-)Blockbuster, der Schädel und Publikum gleichermaßen spaltet. Historisch akkurater, blutgetränkter Brachial-Realismus als Allegorie auf den Kriegs-Horror unserer Gegenwart?
In diesem Sinne: "Du wirst mich an den Toren der Hölle wiedersehen!"

WERTUNG: 8 von 10 abgehackte Pferdeköpfe
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