DRAMA/SATIRE(?): D, 1970
Regie: Rudolf Thome
Darsteller: Marquard Bohm, Uschi Obermaier, Diana Körner, Sylvia Kékulé
Thomas (Marquard Bohm) trampt nach München, um seine verflossene Liebe Peggy (Uschi Obermeier) wieder zu sehen. Diese hat sich mittlerweile in einem männermordenden Vamp verwandelt, die mit ihren Partnerinnen in Crime eine Kommune bewohnt und einen Liebhaber nach dem anderen um die Ecke bringt. Hin und her gerissen zwischen ihren wieder aufkeimenden Gefühlen für Thomas und den feministischen "Verpflichtungen" der Kommune, beschließt sie zu fliehen...
KRITIK:Rote Sonne, 1970 gedreht, ist vor allem als zeitgeschichtliches Dokument sehenswert. Es handelt sich meines Wissens um den einzigen Versuch, die gesellschaftspolitischen Veränderungen dieser Zeit (Stichworte APO und Kommune 1), in einem Spielfilm festzuhalten.
Regisseur Rudolf Thome orientiert sich an den filmischen Vorbildern der Nouvelle Vague (Truffaut, Godard) - allerdings ohne deren formale Qualitäten auch nur ansatzweise zu erreichen: Viele Szenen sind einfach zu langatmig, und gerade die - sicherlich als Tabubruch intendierten - Morde wirken dermaßen dilettantisch in Szene gesetzt, dass die Ab 12-Freigabe nicht wirklich wundert.
Dazu passt auch, dass die Sexszenen gerade mal "schamhaft" angedeutet werden ... wenn DAS die viel zitiere "Freie Liebe" der 68er-Generation war, haben wir Spätgeborenen wirklich nicht viel versäumt.
Was den Film dennoch sehenswert macht, ist die "strange", bisweilen stark surreale Grundstimmung: Rote Sonne
ist kein realistisches Abbild seiner Zeit, sondern ein hochgradig artifizielles Kunstwerk.
Die Dialoge haben was von absurdem Theater:
Thomas: "Was geht hier eigentlich vor?"
Isolde: "Wir bringen Männer um."
Die "Kommune" gleicht einer durchgestylten Künstlerwohnung, ihre männermordenden Bewohnerinnen - allen voran Uschi Obermeier, das "Postergirl der Beat-Generation" (© Stern.de) - sehen aus wie Top-Models... wobei auch ihr Styling und Outfit erstaunlich "zeitlos" wirkt; Die fast 40 Jahre, die der Film am Buckel hat, sieht man ihm nicht unbedingt an.
Ein sogenannter 68er-"Kultfilm": Ein durch und durch stranges zeitgeschichtliches Dokument mit hübschen Bildern und subtilem Witz. Ob die historische Bedeutsamkeit des Films die zahlreichen Längen und filmtechnischen Mängel wett macht, muss der interessierte Zuseher selbst beurteilen ...