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Prey

Prey

SCIENCE-FICTION: USA, 2022
Regie: Dan Trachtenberg
Darsteller: Amber Midthunder, Dakota Beavers, Stormee Kipp, Ray Strachan

STORY:

Als ihr Stamm von einem mysteriösen Raubtier bedroht wird, macht sich die junge Comanchen-Kriegerin Naru auf, um ihr Volk zu schützen. Doch die Bedrohung entpuppt sich als außerirdischer Predator. Ein unerbittlicher Kampf auf Leben und Tod nimmt seinen Lauf.

KRITIK:

Wenn man als unbedarfter Zuseher 1987 im Lichtspielhaus seiner Wahl den Film Predator sichtete (ohne vorher allzu viel Werbematerial konsumiert zu haben) wurde man wohl ordentlich überrascht: In den ersten 30 Minuten gaukelt einem Regisseur John McTiernan nämlich einen klassischen Dschungel-Actioner vor, der sich ganz im Fahrwasser von "Rambo 2" oder der "Missing In Action"-Reihe bewegt.

Doch falsch gedacht: Predator legt eine 180-Grad-Wende hin und entwickelt sich zum grimmigen Survival-Horror, der den Überlebenskampf der Söldnertruppe rund um Arnold Schwarzenegger gegen den außerirdischen Predator in den Mittelpunkt stellt. Dieser unerwartete Genre-Wechsel gepaart mit der hohen Produktionsqualität dürften ausschlaggebend gewesen sein, das sich Predator schnell zum Kultfilm mauserte und deshalb wenig überraschend auch Sequels nach sich zog. Diese hatten bei der geneigten Predator-Fangemeinde allerdings eher einen schweren Stand. "Predator 2" (1990) war nur bedingt erfolgreich beim Versuch den Überlebenskampf vom tropischen Urwald in den Großstadtdschungel von Los Angeles zu übertragen, die beiden Spin-Offs "Alien vs Predator" (2007) und "Alien vs Predator 2" sind mehr debil-unterhaltsamer Fan-Service statt spannender Creature-Horror, das Quasi-Remake Predators (2010) hatte auch nichts wirklich Neues zu erzählen und das Betonen der Comedy-Elementen in Shane Blacks "The Predator" (2018) wurde generell auch eher kontrovers rezipiert.

Nach Sequel, Spin-Off und Beinahe-Remake folgt jetzt auch noch ein Prequel zu Predator. Im Gegensatz zu all seinen Vorläufern wird der von Dan Trachtenberg inszenierte "Prey" nicht im Kino zu sehen sein, sondern nur im Stream bei Disney erscheinen. Eine durchaus fragwürdige Entscheidung, da "Prey" sehr wohl kinoreife Bilder zu bieten hätte. Dies fängt beim unverbrauchten Setting des Films an, die Handlung spielt nämlich im Jahre 1719 in Nordamerika, dementsprechend wird die weitläufige Landschaft nicht nur in schönen Bildern eingefangen, sondern Dan Trachtenberg macht sich das einzigartige Setting auch für seine Inszenierung zunutze, indem die Natur selber auch eine Bedrohung darstellt (ganz im Geiste des ersten Predator), etwa wenn sich Naru aus einem Sumpf befreien muss oder von einem reißenden Fluss mitgetrieben wird.

Handlungstechnisch verfolgen wir als Zuseher das Schicksal der bereits genannten Comanchen-Kriegerin Naru, welche von Amber Midthunder verkörpert wird. Sie erweist sich als echter Glücksgriff für den Film, denn sie verkörpert die Protagonistin mit viel Herzblut und man fiebert als Zuseher gern mit ihr mit (es gibt kaum eine Einstellung im Film, in der sie nicht vorkommt). Leider bleiben die übrigen Charaktere im Film blasse Abziehbilder und man nimmt als Zuseher wenig Anteil an ihrem Überleben.

Dafür erhält der Predator denkwürdige Auftritte, ein eindrucksvolles Design und die Möglichkeit, einige sehr kreative und bluttriefende Kills auszuführen. Die Kampfszenen zwischen der resoluten Naru (die sich im Laufe der Geschichte zu einer Kampfmaschine entwickelt, welche sogar John Wick Konkurrenz machen würde) und dem brutalen Predator gehören definitiv zu den Highlights des Films, leiden aber auch bedauerlicherweise unter den schwachen CGI-Effekten, welche definitiv etwas mehr Feinschliff vertragen hätten können (dies wird auch an den animierten Tieren überdeutlich, welche einen teilweise eher an einen Schund-Streifen aus der Asylum-Trash-Schmiede erinnern als an einen Predator-Film). Neben dem leicht vorhersehbaren Plot stellt dies der größte Schwachpunkt von "Prey" dar, der ansonsten aber in punkto Atmosphäre, Spannungsaufbau und Action-Inszenierung auf ganzer Linie überzeugen kann.

Prey Bild 1
Prey Bild 2
Prey Bild 3
Prey Bild 4
Prey Bild 5
FAZIT:

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass mit "Prey" eines der potenziellen Kinohighlights 2022 nur im Streaming erscheint und nicht auf der großen Leinwand erlebt werden kann. Dan Trachtenberg kehrt mit seinem Predator-Prequel nämlich wieder zu den Franchise-Wurzeln zurück, indem er den knallharten Überlebenskampf der Comanchen-Indianern gegen den Predator in den Mittelpunkt stellt und eine dichte Atmosphäre kreiert, welche Hand in Hand mit den brutalen und spannend inszenierten Kampf-Szenen geht. Abgesehen von den schwachen CGI-Effekten gehört "Prey" somit definitiv zu den Highlights der qualitativ schwankenden "Predator"-Reihe und dürfte sowohl alteingesessene Predator-Hasen als auch potenzielle neue Fans vollends zufriedenstellen.

WERTUNG: 8/10
Gastreview von Niklas Klocker
Dein Kommentar >>
Gast123 | 09.08.2022 20:44
Der Predator ist kaum als solcher erkennbar, lediglich an 2-3 bekannten Waffen sowie dem Filmtitel wird klar, was dieses tierähnliche, wenig intelligente Wesen sein soll.
Man hätte jedes andere Monster verwenden können und es hätte sich gar nichts geändert.
Predator heisst der Film wohl nur damit die Zuschauerquote steigt.
Hans_Bakovic89 | 10.08.2022 13:50
...der Film heißt PREY.
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