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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Massive Talent

Massive Talent

OT: The Unbearable Weight of Massive Talent
KOMÖDIE: USA, 2022
Regie: Tom Gormican
Darsteller: Nicolas Cage, Pedro Pascal, Sharon Horgan, Neil Patrick Harris

STORY:

Der Schauspieler Nick Cage hat in letzter Zeit keine großen Angebote mehr bekommen und deshalb vorrangig in miesen B-Filmen mitgewirkt. Folglich plagen ihn große Geldsorgen, weshalb er sich dazu breitschlagen lässt, auf einer Party des spanischen Milliardärs Javi Gutierrez aufzutreten, der gleichzeitig auch einer seiner größten Fans ist. Cage hofft damit seine Karriere wiederzubeleben, muss jedoch bald feststellen, dass Gutierrez keineswegs der Saubermann ist, für den er sich ausgibt.

KRITIK:

Filme, in denen Schauspieler sich selber spielen, gab es in der Vergangenheit schon einige. In den meisten Fällen sind diese Auftritte allerdings nur kleine Cameos und haben keinen allzu großen Einfluss auf die erzählte Geschichte. Manchmal kommt es allerdings vor, dass diese vergleichsweise kleinen Rollen einem Film so richtig den Stempel aufdrücken (etwa Bill Murrays selbstironischer Auftritt in Zombieland) oder sich sogar der gesamte Film um die Selbstdarstellung dreht - das Paradebeispiel hierfür wäre wohl die skurrile Satire Being John Malkovich, in der Menschen durch eine Tür in den Kopf des titelgebenden Schauspielers einsteigen können und diesen fremdsteuern. Eine ähnliche ironische Brechung durchläuft auch Robert Englund in Wes Cravens New Nightmare in dem sich der "Nightmare on Elm Street"-Star selber spielt und seinen Part als Teenie-Killer Freddy Krueger genüsslich aufs Korn nimmt.

Der jüngste Beitrag in diese Richtung stellt der von Tom Gormican inszenierte Massive Talent dar, in der niemand Geringeres als Kult-Mime Nicolas Cage als eine stilisierte Version seiner selbst (Nick Cage) auftritt. Kaum ein anderer Schauspieler der jüngeren Vergangenheit scheint derart prädestiniert für ein solches filmisches Experiment zu sein wie Nicolas Cage, der sich sowohl im großen Blockbuster-Bereich als auch im nerdigen Trash- und B-Movie-Sektor seine Sporen verdient hat (etwa mit einzigartigen Filmen wie "Willys Wonderland", "Colour out of Space" und "Mandy") und sich eine sehr treue Fangemeinde aufgebaut hat, wo er unter anderem auch für sein absolut überzogenes Overacting gefeiert wird.

Zudem liegt sein letzter Auftritt auf der großen Kinoleinwand schon eine Weile zurück, nämlich im Marvel-Film Ghost Rider: Spirit of Vengeance von 2011, wodurch ein Cage-Comeback im Kino eigentlich schon lange überfällig war. Bei solchen Voraussetzungen ist es doch etwas überraschend, dass Massive Talent vergleichsweise geerdet im Gewand einer klassischen Action-Komödie daherkommt und sich über weite Strecken weit weg von einer subtilen Meta-Satire a la "Being John Malkovich" bewegt.

Dies wäre natürlich nicht weiter tragisch, würde die erzählte Geschichte überzeugen, doch hier offenbaren sich einige Drehbuchschwächen, denn der Plot sprüht nicht gerade vor Originalität und wandelt mehr oder weniger auf bekannten Pfaden des Action-Komödie-Genres. Darüber lässt sich natürlich immer dann hinwegsehen, wenn man ein Interesse für die Charaktere entwickelt. Hier zeigt sich die große Stärke von "Massive Talent", denn Regisseur Tom Gormican kann sich auf ein sehr spielfreudiges Ensemble verlassen. Dabei kommt es manchmal sogar vor, dass dem entfesselt aufspielenden Nicolas Cage ab und zu ein bisschen die Show gestohlen wird, denn der aus großen Serienhits wie "Game of Thrones" oder "The Mandalorian" bekannte Pedro Pascal liefert als größter Nick Cage Bewunderer des Planeten eine grandiose Performance und hat schnell die Sympathien des Publikums auf seiner Seite.

Dementsprechend ist Massive Talent immer dann am stärksten, wenn er sich auf die Interaktion seiner schrulligen Charaktere konzentriert und sich Nicolas Cage und Pedro Pascal höchst amüsante (vielfach sogar improvisierte) Wortgefechte liefern. In manchen Szenen lässt sich auch das enorme Potenzial der Film-Idee für die Integrierung einer deutlicheren Meta-Ebene erahnen, welche bedauerlicherweise nicht immer ausreichend genutzt wird (etwa wenn Javi Nick Cage durch seinen persönlichen Nick Cage Schrein mit allerlei Fan Devotionalien führt - die Kettensäge aus "Mandy" inklusive.

Massive Talent Bild 1
Massive Talent Bild 2
Massive Talent Bild 3
Massive Talent Bild 4
Massive Talent Bild 5
FAZIT:

Vom wenig originellen Plot abgesehen, handelt es sich bei "Massive Talent" um ein wahres Fest für alle Fans von Nicolas Cage (und solche, die es werden wollen). Der Film feiert den Kult-Schauspieler und dessen Lebenswerk auf sehr amüsante Weise in all seinen Facetten und verliert dabei nie die übrigen Charaktere aus den Augen - allen voran Pedro Pascal als Hardcore-Fan hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Dabei hätte dem Film durchaus etwas mehr Mut zur Verrücktheit und zum Meta-Humor gutgetan, da er zweifellos Potenzial in diese Richtung verschenkt.

WERTUNG: 7/10
Gastreview von Niklas Klocker
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