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Hotel Rock'n'Roll

Hotel Rock'n'Roll

KOMÖDIE: A, 2016
Regie: Michael Ostrowski, Helmut Köpping
Darsteller: Pia Hierzegger, Gerald Votava, Michael Ostrowski, Detlev Buck, Georg Friedrich

STORY:

"Betreute Rauschreisen" sind doch bitteschön ein geniales Geschäftsmodell für ein Landhotel. Aber erklär das mal diesem freudlosen Spießer von einem Bankbeamten, der erschrocken "Das ist ja illegal" stammelt. Und die offenen 150.000 Euro vom Kredit fällig stellt. Aber den frischgebackenen Hotelbesitzern Max, Mao und Gerry wird schon etwas einfallen. Ein Benefizkonzert zum Beispiel; Eine Stromgitarre halten können sie ja. Lukrativer wär's allerdings, den Kofferraum der roten Corvette aufzukriegen, die Hobby-Bankräuber Schorschi (Georg Friedrich) im Gartenteich geparkt hat ...

KRITIK:

Was soll man von einem Film halten, der den Rock 'n' Roll im Titel beschwört und dessen einzige Nummer im Soundtrack, die man ohne Ohrenkrebs-Gefahr hören kann, von Wolfgang Ambros kommt?

Max (Michael Ostrowski), Mao (Pia Hierzegger) und Gerry (Gerald Votava) haben einiges hinter sich: Schlechten Sex in NACKTSCHNECKEN (2004, meine Review von damals verlinke ich lieber nicht, die ist sicher furchtbar peinlich). Schlechte Drogen in CONTACT HIGH (2009). Und jetzt eben schlechte Musik in HOTEL ROCK 'N' ROLL.

Als Michael Glawogger 2014 bei Dreharbeiten in Liberia auf so tragische Weise verstorben war, sah es lange so aus, als wäre der Abschluss der "Sex, Drugs & Rock'n'Roll"-Trilogie mit ihm gestorben. Dass der Film jetzt doch noch das Licht der Leinwand erblickt, verdanken wir Michael Ostrowski und Helmut Köpping, die das Projekt in Eigenregie abschlossen. Und so viel kann man verraten: Dem Meister hätte es gefallen.

Wobei: Der visuelle Einfallsreichtum und die Abgespactheit, die vor allem CONTACT HIGH - wer den Film nicht kennt: Fear and Loathing in Lower Austria - auszeichnet, sucht man im HOTEL ROCK 'N' ROLL vergebens. Es ist zwar alles schön bunt hier, aber es sieht trotzdem aus wie ein Fernsehfilm. Es wird viel gesungen, performt und gepost, obwohl die Hotel-Band nur einziges - denkbar vertrotteltes - Lied auf Lager hat.

An prominenten Gastauftritten herrscht jedenfalls kein Mangel: Element of Crime-Frontmann Sven Regener gibt einen Rock-Priester, Kabinenpartymacher Skero verdingt sich als Barpianist, König Leopold trommelt unter Wasser, Stefanie Werger sucht ihr Escort Girl, Detlev Buck baggert Georg Friedrich an ("Zum letzten Mal: I bin ka Woarmer!"), und Willi Resetarits sorgt für eine Hommage an Michael Glawogger.

Gröbere Probleme mit Timing und Rhythmus spielen Ostrowski, Votava, Herzegger und vor allem Georg Friedrich mit (improvisiertem?) Schmäh weg. Spontane Sprüche statt konstruierter Pointen lautet das Motto, und das geht schon okay so.

Dass die "Handlung" auf einen Bierdeckel passt: Geschenkt. Irgendwo zwischen Krimi-Groteske und Peter Alexander-Komödie auf narrischen Schwammerln nimmt das kreative Chaos seinen Lauf. Und die Kreativität soll man bekanntlich nicht aufhalten.

Zugebenen, ganz unanstrengend ist dieser Erlebnis-Urlaub im Rock 'n' Roll-Hotel nicht. Wer, wie der Autor dieser Zeilen, um musikalische Gaga-Schmähtandler wie König Leopold eher einen Bogen macht, wird öfters mal auf die Uhr schauen. Vielleicht wäre es ratsam, auf Wolfgang Ambros zu hören und sich vor dem Kinobesuch mit dem einen oder anderen Schwarzen Afghanen in Stimmung zu bringen. Ja, das waren noch Zeiten, als man dieses geschundene Land nicht mit Burkas, Terror und Flüchtlingskrise, sondern mit anregenden Rauchgenusswaren in Verbindung brachte.

Auch wenn der Film seine Längen hat und bei weitem nicht jeder Schmäh funktioniert: Böse kann man den lustigen Leuten rund ums Grazer Theater am Bahnhof keineswegs sein. Ihre leicht patscherte DIY-Attitüde ist selbstredend grundsympathisch. Auch wenn ich die Begeisterung, die einige Kritiker für diesen Film verspüren, nur bedingt teilen kann, wünsch ich dem Hotel Rock 'n' Roll einen großen Erfolg.

Der Rock 'n' Roll hat's eh nicht leicht in diesen Zeiten. Aber lassen wir das Michael Ostrowski in seinen eigenen Worten erklären: "Laut Vertrag muss ich meine Hotelzimmer auf dieser Promotiontour jetzt alle zerstören. Um den Ansprüchen des Rock 'n' Roll gerecht zu werden. Inzwischen ist es ein bisserl Routine geworden. Und vor allem, seit es Flachbildschirme gibt, ist es viel schwieriger, die aus dem Fenster zu hauen. Die fliegen net g'scheit, die Fenster sind zu stark und die Fernseher zu dünn. Der Rock 'n' Roll hat es total schwer, und vieles ist mit dem Niedergang der Röhrenfernseher zu erklären." 

(Zitat aus einem Interview in der Presse)

Hotel Rock'n'Roll Bild 1
Hotel Rock'n'Roll Bild 2
Hotel Rock'n'Roll Bild 3
Hotel Rock'n'Roll Bild 4
Hotel Rock'n'Roll Bild 5
Hotel Rock'n'Roll Bild 6
Hotel Rock'n'Roll Bild 7
FAZIT:

Let there be Rock 'n' Roll: Heimatfilm auf narrischen Schwammerln, der genussvoll Blödsinn höherer Ordnung zelebriert. Es schadet nicht, die Vorgängerfilme zu kennen, nützt aber auch nicht viel. Sympathisch? Ja eh. Lustig? Ja, eh auch, sofern man mit - ähm - eigenwilliigem Humor österreichischer Bauart grundsätzlich auf Du ist. Was halt schmerzlich fehlt, ist der formale und visuelle Wahnwitz, den viele Filme von Michael Glawogger (RIP) ausgezeichnet haben.

WERTUNG: 7 von 10 Portionen Kebab-Aufstrich
Dein Kommentar >>
Erich H. | 07.09.2016 12:40
Als sehnsüchtig (und nach Glawoggers Tod bange) wartender "Sex, Drugs, and Rock'n'Roll"-Fan war ich letztendlich angenehm überrascht. Eines wird schnell klar. Ostrowski ist nicht Glawogger und vielleicht hätte eine Spur mehr Mut zum eigenen Stil besser getan als der Wunsch, es Glawogger posthum recht zu machen.
Außerdem ist Votova trotz aller Sympathie für ihn und einer eh guten Leistung nicht Raimund Wallisch, der in den ersten beiden Teilen Ostrowskis Gegenpart war, sprich Wallischs bärbeißiger ruhiger Stil fing Ostrowskis Hyperventilierung besser ab.
Und die Musik. Irritierend, ja. Definitiv nicht jedermanns/jederfraus Geschmack, aber doch irgendwie im Sinne der Trilogie.
Ich hätte vermutlich sogar 7/10 Thujen-Schneid-Aktionen gegeben.
Harald | 07.09.2016 22:29
Ja, hast eh recht, ich erhöhe auf 7/10.
Für mich war das einer dieser schwierigen Fälle, die einen beim Ansehen doch irgendwie unbefriedigt zurücklassen (blame it on the Erwartungshaltung), die aber dann doch nachwirken.
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