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Rickerl - Musik is höchstens a Hobby

Rickerl - Musik is höchstens a Hobby

TRAGIKOMÖDIE: A, 2023
Regie: Adrian Goiginger
Darsteller: Voodoo Jürgens, Ben Winkler, Agnes Hausmann, Nicole Beutler

STORY:

Der Rickerl (Voodoo Jürgens) hat's mal wieder richtig verschissen: Eine "Fristlose" am Friedhof, das muss man erst einmal zambringen. Jetzt ist der Rickerl "a arbeitsloser Totengräber, der seine Liadln aufm Heislpapier schreibt", wie sein Manager, der "blade Charlie" (Georg Baron) nüchtern feststellt. Aber immerhin kann er dem Rickerl einen Gig vermitteln. Auf einer Hochzeit soll er spielen, aber nur Coverversions. Bloß nix eigenes. Dabei hat der Rickerl noch ganz andere Sorgen - mit seinem Buben zum Beispiel, der bei der Ex lebt, die jetzt mit so einem "g'stopften Piefke" zusammen ist. Der Bub sagt, dass die Mama gesagt hat, dass eam, also dem Rickerl, die Mama und der Bub wurscht wären. Das kann der Rickerl nicht auf sich sitzen lassen ...

KRITIK:

"Dos hot mi berührt. Do ganz tiaf drin. Und dos war ka Herzkaspar!"

Ein schönes Zitat aus einem sehr schönen Film. Der den Film auch kompakt zusammenfasst. Damit wäre das Wichtigste eigentlich schon gesagt.

RICKERL ist das vermutlich semi-autobiographische Leinwand-Debüt des Wiener Dialekt-Popstars Voodoo Jürgens. Wo die eine Kunstfigur aufhört und die andere anfängt, ist dabei nicht genau überliefert. Man liest jedenfalls, dass Voodoo Jürgens (bürgerlicher Name: David Öllerer) auch im richtigen Leben unter anderem als Totengräber gearbeitet hat. Die authentisch trauerberandeten Fingernägel, die die Kamera einmal prominent ins Bild rückt, sind wohl ein Beleg dafür - oder Beweis für besonders sorgfältiges, detailverliebtes Method-Acting?

RICKERL ist auch der neue Film des Salzburger Regisseurs Adrian Goiginger. Mit DIE BESTE ALLER WELTEN gelang ihm 2017 ein großer Publikumserfolg. Die autobiographische Geschichte einer drogenkranken Mutter und ihre verzweifelten Versuche, sich um ihr Kind zu kümmern, ist eigentlich brutal harter, tonnenschwerer Stoff. Aber von Goiginger liebevoll, mit fast schon surreal anmutender Leichtigkeit und ungewöhnlich filmisch erzählt.

RICKERL ist dagegen vergleichsweise leichte Kost. Als Komödie wird der Film vermarktet, was natürlich nicht stimmt. Melancholische Tragikomödie um einen sympathischen wie chaotischen Loser trifft die Sache besser. Der Film ist auch eine Liebeserklärung an die Wiener (Grind-)Beislkultur, die es wahrscheinlich in dieser Form gar nicht mehr gibt: Rauchverbot und Pandemie haben einem Großteil der "Tschocherln", aus der Zeit gefallene, nikotingeschwängerte Zufluchtsorte für Trankler, Gestrandete und Randexistenzen, den Garaus gemacht.

Es stimmt schon: Auch RICKERL macht etwas, was das europäische Arthouse-Kino sehr gerne tut: Soziales Elend und sehr raue Milieus - nein, nicht verkitschen - aber doch ein bisschen romantisieren. Aber egal. Es tut dem Film jedenfalls sehr gut, dass er sprachlich komplett auf Wiener Mundart setzt - auch so ein Kulturgut, das vom Aussterben bedroht ist. Neben vielen extra für den Film eingesungenen Voodoo Jürgens-Liedern fallen auch superste Dialoge ab:
"I schick dir a WhatsApp" -
"I hab ka WhatsApp. Schreib ma a SMS!" -
"Rickerl, du musst endlich amol in der Gegenwart ankommen!" -
"Aber die Gegenwart is g'schissen!"

Rickerl - Musik is höchstens a Hobby Bild 1
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Rickerl - Musik is höchstens a Hobby Bild 4
FAZIT:

Für Fans des Wiener Dialekt-Popstars Voodoo Jürgens ist RICKERL sowieso ein Pflichtfilm. Und für alle anderen, die einen wirklich schönen Film als Liebeserklärung an ein Wien, das es eigentlich gar nicht mehr gibt, sehen wollen, eigentlich auch.

WERTUNG: 8 von 10 Weiße Spritzer
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